Zwischen Rückschau und Aufbruch - ein stiller jahreswechsel
- Sonja Schmarl

- 26. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Der Jahreswechsel markiert für viele Menschen eine Schwelle. Für manche ist sie mit Aufbruch verbunden, für andere mit Zurückhaltung, Trauer oder innerer Erschöpfung. Nicht jedes Jahr endet mit Klarheit oder Zuversicht und das ist auch völlig in Ordnung. Manche Erfahrungen wirken weiter, manches braucht noch Zeit, um seinen Platz zu finden...
Rückschau mit Achtung vor dem Erlebten
Das vergangene Jahr war für viele Menschen herausfordernd. Manche haben sich weiterentwickelt, Neues aufgebaut oder mutige Entscheidungen getroffen. Andere waren mit Krisen, Überforderung, Krankheit oder dem Verlust eines nahestehenden Menschen konfrontiert. Oft existieren diese Erfahrungen auch nebeneinander.
Rückschau bedeutet nicht, das Jahr zu bewerten oder abzuschließen. Es kann ein Innehalten sein - ein achtsames Wahrnehmen dessen, was getragen hat und dessen, was schwer war. Gerade Trauer lässt sich nicht an einen Zeitpunkt binden. Sie folgt keinem Kalender und auch keinem Jahreswechsel.
Für Menschen, die einen Verlust erlebt haben, fühlt sich diese Zeit oft widersprüchlich an. Während im Außen vom Neubeginn gesprochen wird, ist im Inneren Schmerz, Leere oder Orientierungslosigkeit spürbar. Auch das ist eine stimmige Reaktion auf das Erlebte.
Trauer und Krisen anerkennen - ohne sie zu relativieren
Belastende Erfahrungen lassen sich nicht einfach positiv deuten. Trauer, Krisen und Brüche verschwinden nicht durch gute Vorsätze. In der psychosozialen Arbeit zeigt sich jedoch, dass es entlastend sein kann, dem Schwierigen einen würdigen Platz zu geben - ohne es zu beschönigen oder zu relativieren.
Trauer verändert. Sie verschiebt Blickwinkel, Prioritäten und oft auch das eigene Selbstverständnis. Das bedeutet nicht, dass der Verlust nicht schlimm ist, aber es kann mit der Zeit ein anderes Verständnis wachsen. Verständnis über die eigene Verletzlichkeit, über Bindung, über das, was im Leben wirklich zählt.
Diese Anerkennung ist kein Abschluss. Sie kann jedoch ein leiser Schritt hin zu mehr innerer Stabilität sein.
Das Vergangene als tragender Boden
Das Jahresende muss kein radikaler Schnitt sein. Vielmehr kann das vergangene Jahr als Fundament verstanden werden. Alles, was war - das Leichte wie das Schwere - bildet den Boden, auf dem das neue Jahr aufsetzt.
Fundamente sind meist unsichtbar, aber sie tragen. Sie bestehen aus Erfahrungen, Beziehungen, Entscheidungen, und manchmal aus dem Mut, stehen geblieben zu sein, wenn Weitergehen noch nicht möglich war.
Für Menschen, die sich entwickelt haben, ebenso wie für jene, die sich noch mitten in einem Prozess befinden, gilt: Entwicklung verläuft nicht gradelinig. Sie entsteht oft langsam, in Etappen, begleitet von Pausen und Zeiten der Neuorientierung.
Ausblick zwischen Vorsicht und Neubeginn
Der Blick nach vorne darf behutsam sein. Nicht jedes neue Jahr braucht klare Ziele oder große Pläne. Manchmal genügt eine innere Ausrichtung: sich selbst ernst zu nehmen, Unterstützung anzunehmen oder kleinen Schritten zu vertrauen.
Neubeginn bedeutet nicht, das Alte hinter sich zu lassen. Es kann auch heißen, mit dem Erlebten weiterzugehen - in veränderter Form und im eigenen Tempo.
Gerade nach Trauer oder Krisen ist es hilfreich, Stabilität aufzubauen, statt sofort funktionieren zu müssen. Psychosoziale Begleitung kann dabei unterstützen, Erlebtes einzuordnen, Ressourcen wieder wahrzunehmen und neue Perspektiven behutsam zu entwickeln.
Beratung Gipfelglück - Begleitung in Übergängen
Beratung Gipfelglück begleitet Menschen in derartigen Übergängen: zwischen Trauer und Neuorientierung, zwischen Belastung und Entlastung, zwischen Rückschau und Aufbruch. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Erschöpfung, Krisen, Verlusten oder innerer Überforderung ebenso wie an jene, die sich weiterentwickeln und präventiv für ihre psychische Gesundheit sorgen möchten.
Ab 1.1.2026 ist Beratung Gipfelglück Teil der psychosozialen Gemeinschaftspraxis im SOHO 2 in Innsbruck. Der fachliche Rahmen erweitert sich - getragen von dem Anliegen, Menschen in herausfordernden Lebensphasen professionell, achtsam und auf Augenhöhe zu beleitgen. Übergänge brauchen Zeit, Verlässlichkeit und manchmal auch einen geschützten Raum, in dem Gedanken ausgesprochen und sortiert werden dürfen.
Der Jahreswechsel kann ein leiser Moment sein, um innezuhalten und nachzuspüren, was JETZT wichtig ist. Nicht im Sinne von Vorsätzen oder Erwartungen, sondern im eigenen Tempo.
Wenn Sie merken, dass Themen aus dem vergangenen Jahr offen sind oder Unterstützung guttun würde, sind Sie bei mir genau richtig. Manche Schritte dürfen klein sein, manches darf noch ruhen. Entwicklung und Neubeginn entstehen aus Zuwendung - Schritt für Schritt, getragen von dem, was war und offen für das, was werden darf.
Sonja Schmarl
Psychosoziale Beraterin
zert. Trauerbegleiterin




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